PROJEKTBERICHT
Die Anfänge
Herr Dr. Hanselmann, Leiter des Projektes „Jöriseen“ an der Universität Zürich, hatte den SANW-Kongress 02 in Davos besucht und war von den dortigen naturwissenschaftlichen Präsentationen unserer SchülerInnen sehr angetan. Er macht uns im Dezember 02 darauf aufmerksam, dass das Jahr 2003 nach dem internationalen Jahr der Berge02 nun dem Frischwasser gewidmet sein werde. Er fordert uns auf, an dem vom BUWAL / DEZA / BWG zu dieser Thematik ausgeschriebenen Projektwettbewerb zu beteiligen.Kurz vor Weihnachten erfolgt eine erste Besprechung. Dabei sind Herr Dr. Bolliger als Rektor, Herr Dr. Hanselmann als Initiant, Herr Müller als Spezialist der Wasseranalytik und Herr Locher als wasserscheuer Nichtschwimmer. Herr Dr. Hanselmann infiziert uns schnell mit seiner Begeisterung.Wir sind uns bald einig: Wir möchten mit unseren SchülerInnen ein Projekt durchführen, und zwar ein internationales unter dem wuchtigen Motto „Wasser kennt keine Grenzen“ mit der Beteiligung von Gymnasiasten aus Rotterdam. Wir wollen den natürlichen Wasserkreislauf und dessen antropogene Belastung zwischen den Jöriseen und Rotterdam untersuchen.Herr Locher wird zum Projektleiter ernannt, Herr Müller übernimmt die wissenschaftliche Leitung, Herr Bolliger wird Zuständiger für Logistik und Herr Hanselmann externer Berater. Die SchülerInnen der Klasse G4 Schwerpunkt Biologie und Chemie sind schnell für das Projekt gewonnen. Ausserdem können vier Maturaarbeiten integriert werden. Doch dann folgt die Knochenarbeit. Das Projekt muss konkretisiert, Sponsoren für finazielle Mittel und technische Geräte müssen gesucht und eine Gymnasialklasse aus Rotterdam soll zum Mitmachen bewegt werden.

Bis Ostern sind die ersten Hürden geschafft. Eine Klasse aus dem Erasmiaans Gymnasium in Rotterdam möchte am Projekt mitmachen. Verschiedene Institutionen und Firmen sind bereit, unser Projekt finanziell oder materiell zu unterstützen. Herr Marjanovic von der Qualitätsüberwachung der Wasserversorgung Zürich erklärt sich bereit, auf privater Basis (!) mit seinem enormen Fachwissen in der gaschromatographischen Spurenanalytik zu unterstützen. Die eigentliche Projektarbeit kann nun beginnen. Die SchülerInnen werden in verschiedene Fachgruppen eingeteilt. Sie werden sich in den nächsten Monaten mit unterschiedlichen Teilaspekten des Projektes wie Hydrologie, Geochemie, Trinwasser, Abwasser, chlorierte Kohlenwasserstoffe im Wasser, MTBE als Bleiersatz im Benzin, aquatische Mikroorganismen und antibiotikaresistente Keime im Abwasser beschäftigen.Als erste internationale Reaktion auf unser Projekt werden vier SchülerInnen der SAMD zur Teilnahem am internationalen Jugendparlament zum Thema Wasser eingeladen. Sie werden dort die Schweiz vertreten.MaiDer Mai ist ja eigentlich die Zeit der Frühlingsgefühle, was ja auch stimmen mag, nur dass dieses auf unser Projekt „Wasser kennt keine Grenzen“ , von der Schülerschaft aus gesehen, wohl kaum zutrifft. Die ganze Vorbereitung läuft bis jetzt mehr im Verborgenen ab, und wir Schüler haben keinen Überblick, geschweige denn eine Idee, was an Arbeit auf uns zukommen wird. Zunächst ist uns nurbekannt, dass es irgendwanneinmal nach Rotterdam gehen wird, und in welche Fachgruppen wir eingeteilt sind. Wir können die Relationen und Dimensionendieses Projektes noch gar nicht richtig abschätzen, was uns alle verunsichert.Die Schülerschaft ist auf einer „Untiefe“ aufgelaufen und ist im Begriff, dort hängenzu bleiben. Erst ein „Motivationsseminar“ mit den Herren Müller und Locher, und letztendlich deren Aufklärungsarbeit führen dazu, dass der Motivations (Wasser-)pegel wieder steigt, und wir unsere ersten konkreten Vorstellungen und Pläne machen können. Juni Im Juni werden die meisten Gruppen erstmals mit dem praktischen Teil unseres Projektes konfrontiert. Das zentrale Ereignis dieses Monats stellte die Wanderung zu den Jöriseen dar. Es zeigt sich nun, wer mit dem Theorieteil klar gekommen ist und wer sich gut über sein Thema informiert hat. Am Dienstag dem 17. 06. wandern wir vom Wägerhuus aus über die Jöri-Flüela Furka zu den Jöriseen, dem Anfangspunkt unseres Weges dem Rhein entlang. Trotz grosser Schneefelder sind bereits einige Seen zugänglich. Es werden die richtigen Messtechniken endgültig eingeübt und erste sehr interessante Proben genommen. Bald müssen
wir uns wieder auf den Weg begeben, denn schliesslich wollen wir sobald wie möglich wieder zurück sein und eventuell im Labor noch ein paar Proben auswerten. Die Strecke von den Seen nach Monbiel haben wir leider etwas unterschätzt und schlussendlich müssen wir das letzte Stück rennen, um das Postauto nach Klosters zu erwischen. Blasen und Muskelkater haben nach diesem anstrengenden, aber schönen Tag fast alle.

August bis Mitte September
Endlich dürfen wir definitiv mit dem Besuch unserer holländischen Partner rechnen. Das genaue Programm der sechs Schüler und zwei Lehrer ist uns zwar nach wie vor unbekannt, doch sicher ist, dass wir die Gelegenheit haben werden, uns gegenseitig kennen zu lernen. Damit keine Schwierigkeiten auf Grund der Sprache entstehen, wird Hr. Müllers Unterricht ab sofort in Englisch abgehalten. Schliesslich steht das Programm: Die Holländer werden nach mehreren Zwischenstopps, unter anderem in Zürich, am 3. September zu uns stossen und bis zum 5. September bleiben. Am späten Nachmittag am Mittwoch, dem 3. September, findet ein erstes Treffen statt. Von Klosters aus starten wir, d.h. die 8 Besucher des Erasmiaans Gymnasiums, Hr. Locher, Hr. Müller und 5 am Projekt beteiligte
Schüler der SAMD, mit einem Bus in Richtung Berghütte Vereina. Dort verbringen
wir die Nacht und brechen zu Fuss früh am Morgen auf. Unser Ziel: Die Jöriseen.

Mittags an den Jöriseen machen wir individuell diverse Versuche und nehmen Proben aus den Seen, um sie später im Labor auszuwerten. Nach dem Abstieg nehmen wir in Röven den Bus und fahren, etwas müde und erschöpft, zur Schule. Der nächste Treffpunkt ist das Labor, wo auch die restlichen
Biologie/Chemieschüler der G5 dazu stossen. Sowohl die Holländer als auch wir müssen nun unsere gesammelten Proben in Experimenten auswerten. Wir nutzen die Gelegenheit und stellen uns gegenseitig unsere Arbeiten vor. Schliesslich beenden wir den Arbeitsteil, da wir unseren Partnern, mit denen wir uns auf Anhieb extrem gut verstehen, gerne noch etwas von Davos zeigen wollen.

In der Pizzeria „Scala“ treffen sich sowohl Schüler als auch Lehrer und verbringen zusammen
einen entspannten Abend. Am Freitag Morgen kommt es schon zum Abschied, doch wir alle wissen, dass dieser nicht lange währt, denn unsere Reise nach Rotterdam wird bald beginnen.
Erlebnisbericht Projektwoche
Montag
Unsere Projektwoche beginnt am Montag Morgen mit dem 7.00 Uhr Zug von Davos-Platz Richtung Basel, wo wir um 11.30 am Hauptbahnhof ankommen. Nach einem individuellen Mittagessen steht uns die Besichtigung des Wasserwerkes Basel in den Langen Erlen bevor.

Wir treffen um 14.00 Uhr an der verabredeten Trammstation ein und werden durch Herrn Richard Wülser, Leiter der Qualtitätssicherung der IWB begrüsst. Er präsentiert uns zuerst die Basler Trinkwasseraufbereitung und andere Informationen über die Trinkwasserversorgung im Theorieraum und führt uns danach durch das gesamte Gelände der Langen Erlen. Nach dieser eindrücklichen Besichtigung und einigen Wasserproben sowie einer nützlichen Informationen mehr im Gepäck, verlassen wir, etwas unter Zeitdruck, die Langen Erlen. Dennoch erwischen wir den Zug um 17.30 nach Baden-Baden und kommen um 19.00 Uhr in unserer Jugendherberge an. Wir geniessen ein köstliches Abendessen und setzen uns danach kurz zusammen, um uns die Informationen des Wasserwerkes in Basel noch einmanl in Erinnerung zu rufen und sie zu verarbeiten. Um den Abend schön ausklingen zu lassen und den Geburtstag von Sven ein wenig zu feiern, gehen wir alle zusammen in ein nahe gelegenes Restaurant um ein Bierchen zu trinken.
Dienstag
Am Dienstag Morgen verlassen wir nach dem Morgenessen die Jugendherberge in Baden-Baden und machen uns auf den Weg nach Karlsruhe. Am Engler-Bunte-Institut in Karlsruhe empfängt uns Frau Dr. Gudrun Abbt-Braun mit ihren Doktorandinnen und Diplomanden. Den interessanten Vorträgen folgt eine Führung durch das Institut mit den Stationen GC-Analytik, Ultrafiltration und Desinfektion mit Ozon. Nach der Mittagsverpflegung besuchen wir die städtische Abwasserreinigungsanlage von Karlsruhe. Dort können wir Wasserproben entnehmen.

Am Ende dieses anspruchsvollen Tages machen wir uns mit einem Schlafwagon via Basel auf den Weg zu unserer Hauptdestination Rotterdam.MittwochAm Mittwoch sind wir endlich in Rotterdam! Unsere holländischen Kollegen holen uns am Bahnhof ab und bringen uns zu ihrer Schule. Nach einem reichhaltigen Frühstück werden wir durch ihre Schule geführt. Am Nachmittag fahren wir per Schiff zum Kinderdijk, wo wir die schönen alten Windmühlen betrachten können. Am Abend, nach einem typisch holländischen Abendessen, geht es zum zweiten Teil der Bootsfahrt, die uns diesmal zum riesigen Hafen von Rotterdam fährt. Nach dieser dreistündigen Besichtigungsfahrt fahren wir zurück in die Schule. Von dort aus gehen wir müde zu unseren Gastfamilien.
Donnerstag
Wir treffen uns um 8.30 Uhr in der Schule. Bis alle den Weg von der jeweiligen Familie zur Schule gefunden haben, unterhalten wir uns mehr oder weniger begeistert über unsere Gastfamilie. Als dann alle versammelt sind, informieren uns die Lehrer über das Programm des Tages: Weiterarbeiten in den Fachgruppen ist angesagt.

Heute sei der Tag der grossen Arbeit, daran erinnern uns die Lehrer mehrmals. Die meisten arbeiten in der Schule, nur ein Schüler ist am Fluss, um die elektrische Leitfähigkeit während des Wechsels der Gezeiten zu messen. Das Mittagessen nehmen wir in der Schule ein.Gegen 16.30 Uhr schliessen wir unsere Arbeit ab, kehren zu unserer Gastfamilie zurück und essen dort das Nachtessen. Später treffen wir Schüler uns wieder im Ausgang am alten Hafen, wo es viele Lokale gibt. Dort geniessen wir den Abend, während unsere Lehrer einen Ausflug nach Amsterdam unternehmen.
Freitag
Wir treffen uns um 8.00 Uhr bei der Schule und fahren mit der Metro Richtung Trinkwasseraufbereitungsanlage. Als erstes bekommen wir einen Kaffee, anschliessend besichtigen wir die Anlage. Nach einer sehr interessanten Führung begeben wir uns zu Erik nach Hause, wo wir mit einem grossen Mittagsbuffet begrüsst werden. Nach einem ausgiebigen Mahl teilt sich die Gruppe: die einen gehen shoppen, die andern gehen mit Gijs segeln. Um 16.00 Uhr treffen wir uns alle wieder bei der Schule zum Apèro. Am frühen Abend nehmen wir den Zug nach Brüssel. Aufgrund einer Fehlinformation im Fahrplan verpassen wir den Nachtzug nach Landquart. Nach langer Suche finden wir ein preiswertes 3*** Hotel, das uns aufnimmt. Wir verbringen einen gemütlichen Abend in einer Bar.
Samstag
Nach einigen Problemen bezüglich des Aufstehens stehen wir um 7.00 Uhr alle in Brüssel am Bahnhof und reisen mit dem Zug nach Basel. Dort müssen wir noch einmal umsteigen, um endlich nach Hause zu gelangen. Der Zug trifft um 18.00 Uhr am Bahnhof Davos Platz ein.
Der Abschluss
Während den letzten zwei Wochen des Projektes besteht unsere Aufgabe darin, die Messungen und Resultate, die wir während des Projektes aufgenommen und ausgewertet haben, zu verarbeiten und in Endberichte
zu fassen. Diese Endberichte werden im Internet sowie in einer Broschüre publiziert. Ebenfalls gestaltet jede Fachgruppe ein eigenes Poster, welches für geplante Präsentationen oder Ausstellungen zur Verfügung steht. Alle diese Aufgaben müssen in diesen zwei Wochen erledigt werden, somit stehen wir unter einem gewissen Zeitdruck. Damit unser Projekt aber trotzdem ein voller Erfolg wird, gilt es noch ein letztes Mal hinein zu knien und zu arbeiten.

Die Ernte
G5-SP