Wasser kennt keine Grenzen - jugendliche Träume auch nicht


GRAUBÜNDEN - WASSERSCHLOSS EUROPAS

 

Dr. Kurt Hanselmann

Graubünden liefert Wasser in drei grosse Regionen Europas: Über den Inn aus dem Engadin ins Schwarze Meer, über die Bündner Südtäler und den Po ins Mittelmeer und über den Rhein in die Nordsee. Für viele Millionen Menschen, die ausserhalb des Alpenraumes leben, ist das Wasser aus dem Bündner Wasserschloss eine unersetzbare Lebensgrundlage. Ihr Wohlergehen hängt davon ab. Es kann uns deshalb nicht gleichgültig sein, in welcher Qualität das Wasser unsere Region verlässt. Wieviel „Wasserqualität“ dürfen wir selbst verbrauchen, wieviel müssen wir an die Unterlieger weitergeben?
Haben wir überhaupt einen Einfluss darauf, welche Qualität das Wasser hat, wenn es als Regen oder Schnee in unseren Bergen niederfällt? Und tun wir das, was nötig ist, um gebrauchtes Wasser wieder so aufzuarbeiten, dass es für die Unterlieger noch gesund ist und weiter brauchbar bleibt?

Dies sind nur einige der Fragen, die mir durch den Kopf gingen, als ich vor einem Jahr angeregt wurde, einen Beitrag zum Internationalen Jahr des Süsswassers zu leisten. Es sollte um die nachhaltige Nutzung der Gewässerökosysteme gehen, die eine wichtige Rolle im Wasserkreislauf spielen und um die langfristige Sicherung der Wasservorräte. Aber auch eine Bildungskampagne sollte es werden, damit die Zusammenhänge jenen
bekannt und bewusst werden, die dazu
beitragen können, Antworten zu den oben gestellten Fragen zu suchen und ihre konkreten Handlungen entsprechend weitsichtig und rücksichtsvoll auszurichten.

Im Rahmen unserer Arbeiten an den Jöriseen erforschen wir primär die Biologie der Hochgebirgsgewässer am Anfang des terrestrischen Wasserkreislaufes.

- Was geschieht dort, wo der Himmel das Wasser der Erde zurückgibt?

- Welche Nährstoffe finden sich im Regen und im Schneeschmelzwasser?

- Welche kommen aus den Gesteinen, welche aus der Atmosphäre und woher?

- Welche Organsimen sind in der Lage, den extremen Bedingungen des Hochgebirges zu widerstehen, wie gelangen sie ins Hochgebirge, und wie richten sie sich auf die harschen Bedingungen ein?

Dass wir beim Studium der Biologie hier nicht ohne Chemie, Physik und Geologie auskommen, leuchtet ein, wenn man die interdisziplinäre Ausrichtung der Fragestellungen erkennt. Warum studieren wird solche Fragen gerade an den Jöriseen? Das Jöri Einzugsgebiet eignet sich dafür deshalb besonders gut, weil wir dort alles vorfinden, was wir für unsere Studien brauchen: Gletscher, Schwemmebenen, kleine und grössere, klare und trübe, ganzjährig kalte und sich im Sommer aufwärmende Seen und interessante geologische Verhältnisse. Wasser, welches aus dem Jörigebiet abfl iesst, gelangt über die Vereina und die Landquart in den Rhein und endet, nachdem es über 1000 km weit geflossen ist, bei Rotterdam in der Nordsee.
Was wir an den Jöriquellen des Rheins lernen, kann die Zielsetzungen des Internationalen Wasserjahres der Vereinten Nationen bestens erfüllen.

Aber nicht ein weiteres Forschungsprojekt war gefragt, sondern eine Synthese dessen, was wir in den Jahren gelernt und erfahren haben, während denen wir uns mit dem Wasserkreislauf in den Bergen befasst haben. Denn es sollte ein „Event“ mit sozialer Ausstrahlung werden. Es war rasch klar,
dass die Anforderungen an ein solches Projekt nur zusammen mit einer am Thema und an der Ausstrahlung interessierten Institution machbar sein würde. Diese sollte lokal gut verankert und international ausgerichtet sein. Dass dies die Schweizerische Alpine Mittelschule Davos sein könnte, war mir rasch klar, denn ich hatte beeindruckende Erinnerungen an die Art und Weise, wie die Schüler und Schülerinnen ihre Schule anlässlich der SANW-Jahresversammlung 2002 präsentierten. Es brauchte einzig den Anstoss, und natürlich begeisterungswillige Lehrer und SchülerInnen, um Ideen zu kreieren und diese motiviert umzusetzen.

Die „Produkte“ aus dem „Unternehmen“ – ich möchte diese Begriffe bewusst im betriebswirtschaftlichen Sinn gebrauchen - sind faszinierend. Die Projektleiter, Kurt Locher und Hansruedi Müller, haben es nicht nur fertig gebracht, aus dem nationalen Wettbewerb ein pädagogisches Produkt zu schaffen, sie haben auch die Finanzen dazu selbst zusammengetragen, dadurch die lokalen Entscheidungsträger sensibilisiert, mit den Schülern über die Bedeutung des natürlichen Wasserhaushaltes und die effi ziente Nutzung des Wassers in der Gemeinde nachgedacht und die internationale Ausstrahlung durch die Zusammenarbeit mit einer Klasse aus Rotterdam realisiert. Der Dialog soll durch Schüler und Schülerinnen weitergeführt werden, indem einige die Schweiz am internationalen Jugendparlament zum Thema Wasser vertreten können.

Grossartig! Wie werden wohl die Schüler und Schülerinnen die vielfältigen Erfahrungen, die sie im Rahmen des Internationalen
Jahrs des Wassers der Vereinten Nationen gemacht haben, in ihrer weiteren Ausbildung dereinst nutzen?


Dr. Kurt Hanselmann
Universität Zürich
Arbeitsgruppe Mikrobielle Ökologie
Zollikerstrasse 107
CH - 8008 Zürich
hanselma@botinst.unizh.ch
www.microeco.unizh.ch




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